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Ein NewChancler in Notthingham

Ein Kurzbesuch in England 28.03.-02.04.2004

von: ulrich

Ulrich Möbius war bei einer Kurzstudienreise in Notthingham. Dort traf er 17 Jugendarbeiter aus 14 Europäischen Ländern. Hier sein Bericht:

04.03.28 10:30pm
Am Sonntag gab es nur die Anreise. Das hat auch gereicht (2 km durch den Flughafen Frankfurt laufen - Zugfahren ist ja soviel bequemer!).

04.03.29 10:00am
Am Montag haben wir nach einer kurzen Vorstellungsrunde als erstes einen Überblick über die Prinzipien der Jugendarbeit in Nottingham und in GB allgemein erhalten.

Zusammenfassung:
- 30 Vollzeit und 200 Nebenbeschäftigte in diesem Bereich in der Stadt
- Nebenbeschäftigt heißt: etwa 5-15 Stunden in der Woche ist man als Jugendarbeiter auf der Strasse oder in Zentren unterwegs. Die Menschen kommen aus unterschiedlichen Berufen (z.B. Kraftfahrer, Bankangestellte) und bekommen Schulungen und etwas Geld
- Die Stadt ist in verschiedene Gebiete aufgeteilt in der Stadtteilmanager eng mit Jugendarbeitern zusammenarbeiten. Für jeden Stadtteil gibt es einen Chef
- Die Arbeit ist stark projektorientiert. Die Zeitspanne ist meist zwei Jahre. Viel Zeit geht für Co-Funding drauf.
- das Co-Funding durch Stiftungen, Landesprogramme beträgt über 50%
- die Arbeit konzentriert sich auf folgende Objekte: Jugendclubs, Strasse, Schulen, Gesundheits- und mobile Projekte, Abenteuerprojekte, Jugendinformation und -foren, arbeit mit speziellen Zielgruppen und Migranten
- der Anteil von Migranten in Nottingham beträgt 15%. Ihre Integration stellt neben Jugendkriminalität und frühe Schwangerschaft die größten Herausforderungen dar

Curriculum
Vor 1,5 Jahren entstand ein Landesweites Curriculum unter dem Titel "Transforming Youth Work" welches 4 Cornerstones und 9 Key-Themes sowie Performance-Ziele definiert:
Die Ziele:
- 13-19 Jährige haben Priorität (80% der Ressourcen)
- 25% der Population in diesem Alter sind zu erreichen
- Belegbare Kontakte/ Arbeit bei 30% der erreichten - insbesondere der Risikogruppen
- 70% Erfolg
Die 4 Ecksteine:
Engagement, Inclusion, Education, Responsibility
Die 9 Schlüsselthemen:
Inclusion, Citizenship, Creativ Expression, Family and Relationships, Personal Development, Environment, Sports and Adventure, Health and Well-being

- zusätzlich hat das Land einen 3-Jahresplan aufgestellt in dem es definiert welche Bereiche sie besonders fördern will: Quality support, Voice of Young People, Personal and Sozial Development, Intervention and Prevention, Promoting Sozial Inclusion
- Großes Ziel ist den Erfolg von Jugendarbeit messbar zu machen und die Städte und Regionen vergleichbar
- die meiste Jugendarbeit wird durch den Stadt mit Hilfe von Freiwilligen realisiert, weniges durch NGO´s
link: www.cityyouth.co.uk
Material dazu kann bei mir eingesehen werden.

04.03.29 01:00pm
Dann ging es in Pakistanische Community Center zum Mittag (Spicy- Spicy).
04.03.29 04:00pm
Am Nachmittag und Abend haben wir unsere Infotische Aufgestellt und unser mitgebrachtes Essen ausgepackt. Schnell stellte sich raus, dass ich als Tourismus-Vertreter nichts tauge. Ich hatte keine Broschüren über meine Stadt mit. Die Portugiesen haben jedem eine Plastiktüte mit 5 Prospekten und einer CD geschenkt. Leider war nichts zu ihrer Organisation dabei.
Interessanter weise hatte fast jeder Brot und Alkohol dabei. Scheint typisch für jedes Land zu sein. Aber es war alles verschieden. Zum glück gab es viel Käse aus Frankreich, sonst wäre das doch etwas trocken geworden. Maik hat auf jeden Fall viele Reste mit nach Hause nehmen können. Hier kam man sich erstmals näher. Immerhin galt es 14 Länder kennen zu lernen und GB dazu.

Dienstag
04.03.30 09:30am

Am Vormittag gab es ne Einweisung in das Programm Jugend (was in England das British-Council verwaltet - eine Interessante Verquickung) incl. Fantasieprojekt in Arbeitsgruppen.
04.03.30 01:00pm
Zum Mittag ging es diesmal in ein Indisches Community-Center. Ich hab gleich für ein paar Nachbarn aufgegessen und mir die alten Damen in ihren indischen Gewand angesehen.
04.03.30 03:00pm
Nachmittags ging es in die Arche - Eine Jugendeinrichtung unter einer Brücke, die sich auf Outdoor spezialisiert hat (Paddeln, Klettern...). Nach einer Einführung in die Arbeit (schön der Ansatz Outdoor in der Stadt zu ermöglichen - gleich was für ein eigenes Projekt mitgenommen), durften wir uns selbst in Spielen und an den Geräten probieren.
04.03.30 07:00pm
Abends besuchten wir ein Youthcenter und trafen ein paar Youthworker.

Mittwoch
04.03.31 09:30am

Vormittag wurde uns von ein paar Freiwilligen das Projekt "Millennium Volunteers" vorgestellt:
Das Projekt 1999 durch die Regierung in erst 5, später über 30 Städten initiiert, hat zum Ziel 16-24 Jährige in ehrenamtliche Arbeit zu vermitteln bzw. ihnen eigene Projekte zu ermöglichen. Dazu gibt es ein Büro mit 4 Festen, die in Schulen und Jugendclubs für ihre Arbeit werben. Die eine Hälfte wird in andere Projekte vermittelt, die andere macht mit Unterstützung der Profis eigene Projekte. Bis vor kurzen gab es dafür auch gleich ein funding.
Die Beispiele die Vorort waren:
1. Ein Mädchen was in ein Wohnprojekt mit Junkies vermittelt wurde. Nach 2 Jahren wurde sie fest angestellt.
2. Eine Gruppe von Kunststudenten die eine Ausstellung organisiert haben. Im Rahmen der Ausstellung haben Sie einen Tag mit behinderten gemalt und gebastelt und dies dokumentiert, einen Tag mit Grundschulkindern selbiges getan und mit ihnen über ihre Kunstwerke gesprochen.
3. Eine 16 Jähriger Junge der jetzt in einer Band spielt und Partys der Millennium Volunteers mitorganisiert.
Die vermittelten werden weiter begleitet.

Am Ende des Jahres gibt es ein Zertifikat welches vom Sozialminister unterzeichnet sind. Es gibt eins für mehr als 100 Stunden und eins für mehr als 200 Stunden. Selbige werden bei einem Fest verliehen. Überhaupt sind Urkunden in GB sehr wichtig. Oft, und auch in diesem Projekt war von skills und opertunities die Rede. Vordergründig steht das Ziel die Jugend für ehrenamtliche Arbeit zu begeistern. Im Konzept stehen das Vermitteln von Skills und Job-Opertunities ganz oben. In den Prospekten werden auch Jugendliche die durch Ehrenamtliche Arbeit wieder auf den rechten Pfad kamen (Sie war Obdachlos und Drogenabhänig, jetzt zeigt Sie mit Hilfe von MV anderen Jugendlichen was Drogen verursachen)
Die Macher in Nottingham sind selbst noch Jung (um die 30). Das Projekt sitzt in der Stadt-Bibliothek (etwas versteckt) und gilt wohl als eins der besten im MV-Netzwerk.
Ein Princip ist ABC:
- A Attracting Young People: u.a. Junge Menschen die Werbung gestalten lassen
- B Begin Volunteering: u.a. möglichst Flexiebel auf die Bedürfnisse der Jugendlichen reagieren
- C Commit to Volunteering: u.a. Coaching, Auslagen erstatten
Wir haben in zwei Arbeitsgruppen unsere Ideen zu diesen Punkten aufgeschrieben und sie dann in einer Art Wettkampf (hatte der andere die Idee nicht musste er einen Stein aus dem Jenga-Turm ziehen) ausgewertet.
Link: www.mvonline.gov.uk
Material dazu kann bei mir eingesehen werden.
04.03.31 01:00pm
Nachmittags ging es wieder zur Arche - wo wir paddelten, kletterten (an einem Bus mit Ausklappbarer Kletterwand) und abseiling (so heißt das wirklich). Hier entdeckte ich das Heft Buzz, welches 6 mal im Jahr erscheint und alle Freizeit, Familien, Sportangebote zusammenfasst. Dabei wird kein unterschied zwischen Verein und kommerziellen Angebot gemacht. Die Anbieter haben die Möglichkeit Anzeigen zu schalten.
04.03.31 06:00pm
Abends waren wir beim Youth-Council Nottingham. Das Coucil gibt es seit zwei Jahren und besteht aus etwa 12 Jugendliche.
Sie werden durch einen Hauptamtlichen unterstützt. Wer diese Stelle bekommt, konnten die Jugendlichen entscheiden.
Was hat das YC bisher gemacht:
- andere YC besuchen
- verschiedene Events mitorganisieren
- die Neugestaltung des Connexion-Büros begleiten
- die Mitarbeiter von Connexion-Shops schulen
- die Arbeitsschwerpunkte von Connexion festlegen
- Politiker der Stadtregierung getroffen und ihnen die Probleme und Schwerpunkt der Jugend vermittelt
- Aktionen gegen den "Antisocial Behavoir" Act gestartet
- Mitsprache bei der Neugestaltung des Marktplatzes
- die Wahl 2004 organisiert: Ziel war es 20 Jugendliche wählen zu lassen. Jeder Kandidat konnte drei Themen benennen für die er steht. Es gab eine Plakat und Flyer-Aktion. Sie zogen durch Schulen und Jugendclubs und Stimmen zu sammeln. Nach drei Monaten gab es noch einmal ein großes Event auf dem Markt zur Wahl. Insgesamt wurden 4000 Stimmen gesammelt. Im Rahmen der Wahl wurden auch die drei Vertreter Nottinghams für das MP (GB-Weites Jugendparlament) bestimmt.

Ziele für die Zukunft:
Festgeschrieben Mitspracherechte des YC bei Entscheidungen in der Stadt. Recht Anträge einzubringen.

Connexions:
Ein einem Büro (genannt Shop) sitzen Personalberater, mit dem Ziel den Anteil von Jungen Menschen die keine Ausbildung, Arbeit oder Fortbildung zu reduzieren. Nach eigener Aussage haben sie dieses Zielgruppe zu 50% vermittelt. Um dies zu erreichen sind folgende Institutionen/ Angebote in Connexions involviert und vertreten:
Sozialer- und Jugendservice, Jobcenter, Polizei, Fortbildungsanbieter, Gesundheitsservice, Antidrogenteam, Freiwilligenorganisationen, Lokale Entwicklungsleiter, die lokale Lernbehörde u.a.
Das YC erarbeitet mit den Mitarbeitern von Connexions die Ziele für das jeweilige Jahr aus.
links: www.sortitonline.com, www.cnxnotts.co.uk
Material dazu kann bei mir eingesehen werden.
04.03.31 08:30pm
Abends waren wir in einem "typischen" Pup und haben uns unterhalten

Donnerstag
04.04.01 12:00am

Zum Essen ging es in ein komplett von Freiwilligen geführten Community-Center in einem der ärmsten Stadtteile von Nottingham. In Deutschland wäre das ein kleines Soziokulturelles Zentrum welches von Bürgern, Arbeitslosen, Hausfrauen und Rentner geführt wird. Sehr beeindruckend.
Danach ging es in einen Jugendclub mit DJ-Bus davor. Hier sah ich zum wiederholten male eine Sporthalle die für Jugendliche am Nachmittag offen ist. Einige Community und Youth-Center haben eine Sporthalle. Etwas was bei uns fehlt. Und das obwohl ganze Schulen incl. Turnhalle leer stehen.
04.04.02 03:30pm
Nachmittags haben wir eine Gesprächsrunde der festangestellten Jugendarbeiter besucht. An uns wurde ein Interkulturelles Kennenlernspiel erprobt (du hast 2 Minuten Zeit einen Gemeinsamkeit mit deinem Gegenüber zu finden). Dann wurde uns ein europäisches Buchprojekt zwischen Nottingham, Paris, Karlsruhe (die Partnerstadt Nottinghams und auch Halles) und Italien vorgestellt. Dort sollen Spiele, Regeln und Anregungen interkultureller Kommunikation bei internationalen Treffen/ Austauschen aber auch zwischen Migranten und Einheimischen zusammengefasst werden. Die Inhalte stehen. Jetzt soll es gedruckt werden.
04.04.02 08:30pm
Abends waren wir essen beim Italiener.

Freitag
04.04.03 09:30am

Am Morgen wurde uns ein Projekt mit jungen Afro-Caribian vorgestellt. Die Jugendlichen werden in der Schule und auf der Strasse angesprochen und wenn möglich in einheimische Strukturen vermittelt (Jugendgruppen, Community-Center...). Einmal im Jahr wird ein "Young Black Achievers Award" ausgeschrieben. Ziel ist es der Szene Vorbilder und Selbstvertrauen zu geben. Der Preis wird in einem Großen Event vergeben. Das NC organisiert hier mit.
Die Runde ging in einen Erfahrungsaustausch zum Thema "Zusammenarbeit mit Schulen" über. Schnell zeigte sich das hier die BeNeLux-Länder und Dänemark sowie Schweden hier Vorbildlich sind, wenn auch nicht ganz ohne Probleme (z.B. nutzen von Räumen in den Niederlanden). Für mich überraschend waren die Probleme in Finnland, was aber auch an der ländlichen Region liegen kann, aus der die Vertreterin kam. Hier gibt es, wie in Deutschland noch eine Trennung von Freizeit und Schule. Trotzdem können wir uns nicht mit Finnland vergleichen (Ganztagsschulen, Wettbewerb unter den Schulen, Selbstverständliche gemeinsame Nutzung von Ressourcen der Jugendarbeit und der Schule). Näher sind wir an den Osteuropäischen Ländern (Polen, Slowakei, Litauen) die sich auch noch mit der Strikten Trennung herumschlagen. England und Frankreich liegen irgendwo zwischen beiden Polen. Im Bereich Integration ist England scheinbar schon nahe an den Vorbildern (Niederlande, Schweden).
Nach dem Essen ging es zum Loyer-Major (repräsentativer Bürgermeister) der sich als international bewanderter präsentierte. Er sprach mit uns Dutch, Deutsch, Französisch
04.04.03 02:00pm
Am Nachmittag gab es nach einer Auswertungsrunde Freizeit für alle.
04.04.03 08:00pm
Abends gab es eine Abschlussparty in einem Pup. Dabei schenkte die Besuchergruppe Maik und ... ein T-Shirt mit Foto von uns allen.
04.04.03 10:00pm
Ich selbst bin dann noch in einen anderen Club gegangen...

PS: Jemanden von einem Youthbank-Projekt habe ich leider nicht treffen können (alle meine Kontaktversuche waren vergeblich). Aber ich habe Anschauungsmaterial mitgebracht.
link: www.youthbank.org.uk

PPS: Es tummeln sich in diesem Bericht einige Orthografische und Grammatikalische Fehler. Ich hab ihn einfach von der Seele runtergeschrieben und keine Zeit ihn zu redigieren. Achtet einfach auf den Inhalt, den darum geht es.
Das Schloß, kleiner als es aussieht
Das Schloß, kleiner als es aussieht  [gross]
Es gibt eine neue Straßenbahn, das neuste Spielzeug der Stadt
Es gibt eine neue Straßenbahn, das neuste Spielzeug der Stadt  [gross]
Die Teilnehmer der Short Stuty Visit
Die Teilnehmer der Short Stuty Visit  [gross]
zu Besuch beim Loyer-Major
zu Besuch beim Loyer-Major   [gross]

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